Zuhören bringt Sie weit. Wer sein Stück ein paar Mal mit verteilten Stimmen gehört hat, kennt die Szenen, die Stichwörter und den Rhythmus der Dialoge. Irgendwann aber kommt der Punkt, an dem Zuhören nicht mehr reicht: Der Text muss aus dem eigenen Mund kommen, ohne Blick ins Buch, im Tempo der Szene. Genau dafür gibt es in der Theatilo-App den Probenmodus. Er macht den Stimmtrainer zu einem Szenenpartner, der die Gegenrollen spricht, bei Ihren Zeilen zuhört und Ihnen hilft, wenn Sie hängen bleiben.
Wie funktioniert der Probenmodus?
Sie öffnen Ihr Stück im Stimmtrainer der App und wechseln oben von „Anhören“ zu „Proben“. Dann wählen Sie Ihre Rolle aus, bei Doppelbesetzungen auch mehrere. Alle anderen Rollen werden wie gewohnt vorgelesen, jede mit ihrer festen Stimme, auf Wunsch auch die Regieanweisungen. Kommt Ihre Zeile, hält die App an und hört zu. Während Sie sprechen, färben sich die erkannten Wörter im Text grün. Sitzt die Zeile, geht die Szene ohne weiteres Zutun weiter, und die nächste Rolle antwortet Ihnen.
Sie sehen dabei die ganze Zeit den Text der Szene, Ihren eigenen und den der anderen. Ein Tipp auf eine beliebige Zeile startet die Probe an genau dieser Stelle, etwa wenn Sie nur den schwierigen Auftritt im zweiten Akt wiederholen möchten.
Der Souffleur hilft, wenn Sie hängen bleiben
Jede Probe kennt den Moment, in dem der Kopf plötzlich leer ist. Bleibt es bei Ihrem Einsatz still, flüstert der Souffleur die ersten Wörter Ihrer Zeile, in der Stimme Ihrer Rolle. Stocken Sie mitten im Satz, setzt er genau an dieser Stelle ein und sagt die nächsten Wörter vor. Kommt danach wieder nichts, hilft er mit den folgenden Wörtern weiter, statt dieselben zu wiederholen. Wer nicht warten möchte, holt sich die Hilfe mit dem Souffleur-Knopf sofort.
Pausen, die im Textbuch stehen, respektiert der Probenmodus. Steht in Ihrer Zeile ein „…“, ein Gedankenstrich oder eine Regieanweisung in Klammern, bekommen Sie an dieser Stelle mehr Zeit, bevor der Souffleur eingreift. So können Sie eine Kunstpause spielen, ohne dass Ihnen jemand ins Wort fällt.
Muss der Text Wort für Wort sitzen?
Nicht ganz, und das ist Absicht. Kleine Abweichungen, verschluckte Endungen oder ein „is“ statt „ist“ gehen durch. Auch eine andere Wortstellung wird erkannt: Wer statt „Ich möchte nicht, dass du auf dem Stuhl sitzt“ sagt „Dass du auf dem Stuhl sitzt, möchte ich nicht“, hat seine Zeile trotzdem richtig. Ein anderes Wort mit gleicher Bedeutung zählt dagegen nicht als Treffer. In einer längeren Zeile fällt das kaum ins Gewicht, in einem kurzen Satz bekommen Sie einen Hinweis.
Wie genau es sein muss, legen Sie selbst fest. Die Strenge lässt sich zwischen „Locker“, „Normal“ und „Streng“ einstellen; bei „Streng“ zählt auch die Reihenfolge der Wörter. Liegen Sie mit einer Zeile weit daneben, liest die App sie Ihnen einmal vor. Danach sprechen Sie sie noch einmal selbst oder die Szene geht direkt weiter, auch das ist eine Einstellung. Ebenso lässt sich festlegen, wie lange die App bei Stille wartet und wie viele Wörter der Souffleur auf einmal flüstert.
Spielen wie auf der Bühne
Auf der Bühne sprechen Sie längere Passagen am Stück. Der Probenmodus macht das mit: Folgen mehrere Ihrer Textblöcke aufeinander, sprechen Sie einfach durch. Die App erkennt, wo der eine Block endet und der nächste beginnt, und folgt Ihnen, ohne Sie zu unterbrechen.
Steht zwischen Ihren Blöcken eine Regieanweisung, entscheiden Sie mit Ihrem Spiel. Bleiben Sie still, liest die App die Anweisung vor und hört danach wieder zu. Sprechen Sie dagegen direkt weiter, weil die Handlung für Sie ohne Pause in den nächsten Satz übergeht, überspringt die App die Anweisung und bleibt bei Ihnen.
Den eigenen Text verdecken
Für den letzten Schritt vor der Probe ohne Buch gibt es den Schalter „Meinen Text verdecken“. Ihre Zeilen erscheinen dann nur noch als Punkte, die Länge jedes Wortes bleibt als kleine Gedächtnisstütze sichtbar. Während Sie sprechen, tauchen die erkannten Wörter auf, nach Ihrem Einsatz steht die ganze Zeile zum Nachlesen da. Die Texte der anderen Rollen bleiben sichtbar, damit Sie den Faden behalten.
Ihre Stimme bleibt auf Ihrem Gerät
Proben ist etwas Persönliches. Niemand muss hören, wie oft Sie über dieselbe Stelle gestolpert sind. Deshalb läuft die Spracherkennung des Probenmodus vollständig auf Ihrem Smartphone. Ihre Stimme und der erkannte Text werden weder an uns noch an andere Dienste geschickt und nicht gespeichert. Auch die Spielleitung sieht nicht, ob oder wie Sie geprobt haben. Beim ersten Start lädt die App die Spracherkennung einmalig herunter, etwa 55 MB, am besten im WLAN. Danach hört sie zu, ohne etwas nach außen zu geben.
Was Sie für den Probenmodus brauchen
Den Probenmodus gibt es in der App für iOS und Android. Der Akt, den Sie proben möchten, muss vertont sein; das erledigt die Spielleitung mit einem Klick in der Web-App, und danach steht er dem ganzen Ensemble zur Verfügung. Vorerst unterstützt der Probenmodus deutschsprachige Stücke. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie in der Hilfe zum Stimmtrainer.
Wenn Ihre Gruppe Theatilo noch nicht nutzt, können Sie die Plattform 60 Tage kostenlos testen: Stück hochladen, einlesen, einen Akt vertonen, Rolle wählen und loslegen. Der Souffleur sitzt schon im Kasten.
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